Im „Westerwälder Dom“ in Wirges wurde am Donnerstag, 11.06. spürbar, wie eng Musik und Erinnerung zusammengehören. Die Jahrgangsstufe 10 des Landesmusikgymnasiums Montabaur (LMG) präsentierte das Projekt „Lebensmelodien“ – bereits zum vierten Mal seit der Initiative von Herrn Haxel-Schamuhn im Jahre 2022 — eine Aufführung, die vergessene jüdische Melodien aus der Zeit des NS-Terrors zu neuem Klang brachte und Zuhörerinnen und Zuhörer tief bewegte.

Die Schülerinnen und Schüler hatten sich intensiv mit der Thematik auseinandergesetzt: Recherche, Proben und die Einordnung der Stücke in ihre historische Herkunft machten das Programm zu mehr als einer musikalischen Darbietung. Jede Komposition, jeder Gesangseinsatz war eingebettet in die Geschichten der Menschen, die diese Melodien zwischen 1933 und 1945 geschaffen hatten — oft zwischen Hoffnung und Verzweiflung, Leben und Tod. Der Initiator des Projektes erläuterte, dass diese Lieder den Verfolgten geholfen hätten, zu überleben oder Abschied zu nehmen. Diese Hintergründe gaben den Vorträgen an diesem Abend ihre besondere Schwere und Tiefe.

Der künstlerische Leiter des Lebensmelodienprojektes Nur Ben Shalom aus Berlin hatte den jungen Ensembles in einer intensiven Probenphase im Mai konkrete musikalische wie inhaltliche Impulse gegeben, die die Ausdrucksstärke und Emotionalität in der Interpretation verstärkte. Der renommierte Klarinettist arbeitete mit den Schülern an Ausdruck, Klangfarbe und historischer Sensibilität — und war sichtbar beeindruckt vom Ergebnis: „Die jungen Leute haben Arrangements geschaffen, die die Gefühle in der Musik in beeindruckender Weise hörbar machen“, würdigte er die Aufführung.

Die Vorträge, mal leise, mal ausbrechend, erzählten von unsäglichem Schmerz, aber auch von Glauben, Hoffnung und dem Wunsch nach Leben. Besonders das gemeinsame Finale mit dem Lied „Ani Ma’amin“ wurde zum bewegenden Schlusspunkt: Ein klingendes Glaubensbekenntnis, das das Publikum im voll besetzten Gotteshaus zu lang anhaltendem, stehendem Applaus veranlasste. Viele Zuhörerinnen und Zuhörer verließen die Kirche sichtlich ergriffen — berührt von der Intensität der Darbietung und dem Ernst der Botschaft.

Auch über die musikalische Qualität hinaus war der Abend ein großes Zeichen der Auseinandersetzung junger Menschen mit Geschichte. Die intensive Vorbereitung, die sensiblen Arrangements und die verantwortungsvolle Interpretation machten klar: Erinnerung braucht Stimmen — und die Schülerinnen und Schüler des LMG gaben diesen Stimmen Gehör.
Unser Dank gilt den Musiklehrkräften Herrn Müller und Frau Neuroth für die sorgfältige Vorbereitung und Unterstützung vom Arrangieren der Stücke bis zur Probendurchführung, Pfarrer Christof Haxel‑Schamuhn für die Projektleitung sowie Nur Ben Shalom für seine wertvolle Förderung des Projekts.

Emotional bewegt hat uns auch der Brief der Schwestern des Klosters in Dernbach, die erstmalig an einem unserer Lebensmelodien-Konzerte teilgenommen haben:
Sehr geehrte Damen und Herren des Landes-Musik-Gymnasiums,
wir – die Schwestern des Klosters in Dernbach – waren mit einer großen Gruppe gestern in Wirges bei dem Konzert der 10. Klasse unter dem Thema Lebensmelodien.
Wir waren betroffen und begeistert vor dieser Darbietung. Wir möchten den InitiatorInnen und allen Schülerinnen und Schülern der 10. Klasse DANKEN und Ihnen zu diesem Kunstwerk herzlich gratulieren.
Möge es auch ein Weckruf für viele sein, wachsam die Entwicklungen in der Gesellschaft zu beobachten und aufmerksam und mutig für die Würde jedes Menschen einzutreten und Achtung und Respekt jedem entgegen zu bringen.
Wir danken Ihnen und bitten Gott um Seinen Segen für Sie und für alle, die Ihnen zuhören. i.A. Sr. M. Simone ADJC
Die Fotos wurden uns freundlicherweise von Herrn Metternich zur Verfügung gestellt.




